Fazit – das Wirtschaftsblog

Fazit - das Wirtschaftsblog

Für alle, die’s genau wissen wollen: In diesem Blog blicken wir tiefer in Börsen und andere Märkte - meist mit wissenschaftlicher Hilfe

Warum lassen sich die Deutschen so viele Daten abnehmen?

© APHier sind die Daten: Ein Rechenzentrum von Google

Warum sammeln Internetfirmen so viele Daten – und warum lassen die Leute das mit sich machen? Nach meinem Kommentar “Sammelt mehr Daten” hat sich auf Twitter eine kleine Debatte ergeben, die noch mal eine längere Antwort erfordert.

“Das ist kein funktionierender Markt”, findet Marco Herack, der auch nebenan bei den “Wostkindern” bloggt.

Jetzt versagt noch lange nicht der Markt, nur weil uns das Marktergebnis nicht gefällt. Einen Grund fürs Marktversagen braucht man schon noch.

Hier in Fazit haben wir schon ein paar Mal über die Rolle von Internetfirmen als natürliche Monopole gesprochen: Wie sie’s werden, dass ihre eigene Leistung eine Rolle spielt – und warum Konkurrenz schwer zu organisieren ist. Die Monopolfrage spielt hier aber keine große Rolle. Aus zwei Gründen:

  • Auch auf Monopolmärkten haben Nutzer jederzeit die Freiheit, ein Angebot zu nutzen oder es auch bleiben zu lassen. Sie entscheiden sich für die Nutzung.  Natürlich ist es in manchen Cliquen schwierig, sich als einzelner Facebook zu entziehen. Aber das ändert nichts daran, dass höchstens die Nutzer sich gegenseitig nötigen. Sie könnten sich auch geschlossen gegen die Nutzung entscheiden, wenn ihnen der Preis (in diesem Fall: die Datenunsicherheit) zu hoch wäre.
  • Selbst wenn die Nutzer eine Wahl haben, scheinen sie den Datenschutz vollkommen zu ignorieren. Android-Handys sind beliebter denn je, obwohl inzwischen deutlich mehr Datenschutzklagen über Android kommen als über iOS. StudiVZ hat selbst mit einem fetten Bekenntnis zum deutschen Datenschutz seinen Niedergang nicht aufgehalten.

Wenn also Marktversagen, dann muss das woanders herkommen. Mancher hebt darauf ab, dass die Leute immer noch nicht genug über die Daten-Unsicherheit informiert seien.

“Facebook hätte deutlich weniger Datenlieferanten, wenn alle wüssten, was mit ihren Daten geschieht”, schreibt Jörg Seidel. Und Egghat erinnert: “Es wurden nicht zum Spaß Wirtschaftsnobelpreise für Märkte mit Informationasymmetrien vergeben.”

Da kommen wir voran. Der Blick auf die Informationsassymetrie zeigt deutlich, warum hier der Markt gerade nicht versagt – sondern die Menschen einfach so entscheiden, wie sie es wollen.

Was passiert auf Märkten mit asymmetrischen Informationen? Gucken wir uns doch mal George Akerlofs klassischen “Market for Lemons” an – Akerlof exerziert das Beispiel mit den Gebrauchtwagen durch.

  1. Die Käufer wissen nicht, wie gut der Gebrauchtwagen ist, den sie kaufen wollen.
  2. Die Verkäufer haben einen Anreiz, auch schlechte Gebrauchtwagen als gute zu verkaufen.
  3. Die Käufer bemerken, dass sie zu wenig über die Qualität ihres künftigen Gebrauchtwagens wissen. Sie werden misstrauisch.
  4. Die Käufer ziehen sich zurück, und der Markt bricht zusammen.

Was aber geschieht auf dem Markt für Suchmaschinen und Social Networks?

  1. Die Nutzer wissen nicht, wie gut der Datenschutz beim Dienstleister ist.
  2. Das Unternehmen hat einen Anreiz, auch mit schlechtem Datenschutz zu arbeiten.
  3. Die Nutzer bemerken, dass sie zu wenig über den Datenschutz wissen. Sie werden misstrauisch. Datenschützer und andere sprechen monatelang über Datenkraken, sogar in den Fünf-Minuten-Radionachrichten wird über den Datenhunger von Whatsapp gesprochen.
  4. Trotz allem ziehen sich die Nutzer nicht zurück, ja sie nennen den Datenschutz nicht mal auf Nachfrage als entscheidendes Problem.

Rhetorik hin oder her: So schlimm können es die Nutzer offenbar nicht finden.

____________________________________________

Das Blog finden Sie unter https://www.faz.net/fazit und auf:
Fazit-Blog auf Twitter Fazit-Blog auf Facebook
Fazit-Blog auf Google Plus

Der Autor auf: